Kalter Kaffee? Der Gedanke daran jagt uns, genauso wie wohl den meisten von Ihnen, einen Schauer über den Rücken. Gedanklich haben wir ihn sofort am Gaumen kleben, den Geschmack der abgestandenen, säuerlichen Reste, die in diversen Kaffeekannen ihr Dasein fristen. Und nun soll kalter Kaffee ein Trend sein? Auf jeden Fall – denn bei Cold Brew und Cold Drip handelt es sich um Kaffee, der von vorneherein kalt zubereitet wurde. Geschmacklich hat er mit dem ungenießbaren Rest aus der Kaffeekanne nichts zu tun. Ist der kalte Kaffee nur ein Hype oder eine Bereicherung für Kaffeetrinker? Und was unterscheidet Cold Brew und Cold Drip voneinander?

Die Antwort in Kürze:

Cold Brew und Cold Drip sind Kaffeevarianten, die kalt zubereitet werden. Mit kalt gewordenen Kaffeeresten sind sie geschmacklich in keiner Weise zu vergleichen. Ihre Qualität ist, genau wie bei den klassischeren Zubereitungsarten, vor allem von der Qualität der verwendeten Kaffeebohnen abhängig.

Cold Brew → Gemahlener Kaffee wird mit kaltem Wasser übergossen, für mehrere Stunden ziehen gelassen und zum Schluss gefiltert.

Cold Drip → Über einen Zeitraum von mehreren Stunden tropft kaltes Wasser auf Kaffeepulver. Über einen Filter gelangt der Kaltauszug in ein Auffanggefäß.

Cold Brew Kaffee im Einmachglas

Was ist Cold Brew Kaffee?

Cold Brew ist ein Erfrischungsgetränk, für das man Kaffeepulver mit kaltem Wasser übergießt, für mehrere Stunden ziehen lässt und anschließend abfiltert. Übersetzt bedeutet der Name kaltes Aufbrühen.

Wie bereitet man Cold Brew Kaffee zu?

Ein großer Vorteil von Cold Brew ist, dass man zur Herstellung kein teures Equipment benötigt.

Sie brauchen:

Zubereitung:

  • Kaffeepulver in das Glas geben und mit kaltem Wasser übergießen. (Mischverhältnis: 10-12 g Kaffee auf 100 ml Wasser). Sehr hartes Wasser sollte für einen besseren Geschmack vorab gefiltert werden.
  • Umrühren und im Kühlschrank für 8-12 Stunden durchziehen lassen.
  • Nun durch den Filter abseihen.

Gut zu wissen:

Cold Brew kann pur oder auf Eis getrunken sowie als Zutat für Mixgetränke verwendet werden. Ist er zu stark geraten, kann man ihn mit Wasser oder Milch verlängern. Je länger die Kontaktzeit von Kaffee und Wasser ist, desto mehr Aromen können herausgelöst werden. Acht Stunden sollte die Mischung mindestens ziehen; bei mehr als 12 Stunden wird das Ergebnis sehr stark und fast schon sirupartig in der Konsistenz. Auf das Endergebnis kann mit den üblichen Parametern Einfluss genommen werden: Kaffeesorte, Mahlgrad, Verhältnis von Kaffee und Wasser sowie die Kontaktzeit. Wer möchte, kann dem Kaffeepulver auch Gewürze, wie zum Beispiel Zimt, Kardamom oder Vanille, beigeben.

Wie schmeckt Cold Brew Kaffee?

Der Geschmack von Cold Brew ist in erster Linie von den verwendeten Bohnen und der Dosierung abhängig. Je nach Sorte kann der Kaffee daher blumig und fruchtig, aber auch nussig-schokoladig schmecken. Durch die lange Ziehzeit werden besonders viele Aromen herausgelöst. Zudem ist der Kaffee sehr körperreich. Insgesamt betont die Zubereitungsart die natürliche Süße der Bohnen. Cold Brew kommt gänzlich ohne unangenehme bittere und saure Noten aus, was ihn sehr bekömmlich macht.

Cold Brew kann mit dem unterschiedlichsten Equipment hergestellt werden

Was ist Cold Drip?

Bei dieser Methode der Kaffeeherstellung wird das kalte Wasser über mehrere Stunden hinweg tropfenweise auf den gemahlenen Kaffee gegeben. So entsteht ein kräftiger, kalter Kaffee, der pur genossen oder als Zutat für Mixgetränke verwendet werden kann.

Sie brauchen für eine Tasse:

  • einen Cold Brew Dripper
  • frischen, grob gemahlenen Kaffee (helle Röstung)
  • kaltes Wasser, ggf. Eiswürfel

Zubereitung:

  • Das Kaffeepulver (7-10 g Kaffee auf 100 ml Wasser) auf den Filter geben. Wichtig: das Pulver nicht zu fest zusammen drücken – sonst hat das Wasser später keine Chance mehr, hindurch zu kommen.
  • Die gesamte Kaffeeoberfläche leicht befeuchten, damit die Extraktion später gleichmäßig erfolgen kann (Pre-Infusion).
  • Dann den Wassertank mit kaltem Wasser befüllen. Hartes Wasser sollte für ein besseres Ergebnis zunächst gefiltert werden. Es können auch Eiswürfel mit in den Tank gegeben werden, um sicherzustellen, dass das Wasser während des gesamten Vorgangs kalt bleibt. Falls seine Größe dies zulässt kann der Dripper auch in den Kühlschrank gestellt werden.
  • Die Einstellung des Ventils sollte sich im Bereich zwischen einem halben und zwei Tropfen pro Sekunde bewegen. Am besten beginnen Sie mit einem Tropfen pro Sekunde.
  • Der Brühvorgang nimmt zwischen zwei und drei Stunden in Anspruch.
  • Da der Wasserdruck mit der Zeit abnimmt, verringert sich die Geschwindigkeit. Vor allem bei langsamen Einstellungen muss man das Ventil daher zwischendurch nachjustieren.

Gut zu wissen:

Vor dem Servieren sollte Cold Drip Kaffee noch einmal umgerührt werden. Genau wie Cold Brew kann man ihn pur und auf Eis trinken sowie mit Wasser oder Milch verlängern, wenn er zu kräftig geraten ist. Er wird häufig mit Tonic Water oder Orangensaft kombiniert und eignet sich sehr gut für Mixgetränke und Cocktails mit und ohne Alkohol.

Wie schmeckt Cold Drip Kaffee?

Auch bei Cold Drip sind die verwendeten Bohnen, die Dosierung und die genaue Zubereitung (wie zum Beispiel die eingestellte Tropfgeschwindigkeit oder der Mahlgrad) ausschlaggebend für den Geschmack. Cold Drip weist meist fruchtige und süßliche Noten auf, da diese durch das Herstellungsverfahren besonders betont werden. Er enthält nur wenig Bitterstoffe. Die lange, langsame Extraktion sorgt insgesamt für einen intensiven Geschmack.

Cold Brew, Cold Drip… Ice Brew?

Ice Brew wird oft in einem Atemzug mit Cold Brew und Cold Drip genannt. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um den hipperen Namen für etwas, dass schon immer praktiziert wurde und wird. Ice Brew stellt man klassisch mit heißem Wasser her. Der einzige Unterschied ist, dass man Kaffee direkt über Eiswürfel aufgebrüht. Durch das schnelle Herunterkühlen behält der Kaffee sein volles Aroma und bildet keine bitteren Noten aus. Die Variante kann mit jeglichem Equipment hergestellt werden – vom Handfilter bis zum Vollautomaten. Ice Brew trinkt man pur, man kann ihn aber auch als Grundlage für Eiskaffee verwenden.

Wirklich neu?

Entgegen der Annahme ist kalt aufgebrühter Kaffee keine Erfindung moderner Großstadtbewohner. Ganz im Gegenteil: mit Cold Brew und Co. werden längst vergangene Zubereitungsarten aus der Mottenkiste befreit, in der sie (zu Unrecht!) lagen.
Die Herstellungsweise reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Ohne Elektrizität und fließend Wasser war frisch aufgebrühter Kaffee bereits zu Hause ein Luxus. Auf Reisen, insbesondere Seereisen, musste man oft ganz darauf verzichten. Besonders schwer fiel das einigen niederländischen Händlern auf ihrer Reise durch die asiatischen Kolonien. Sie begannen zu experimentieren und entwickelten schnell eine Methode, mit der man auch mit kaltem Wasser Kaffee gewinnen konnte. Der kaltgebrühte Kaffee (auch Dutch Coffee) war geboren.
Auch der Cold Drip Coffee fand seinen Ursprung durch die niederländische Seefahrt und wurde dann von den Japanern weiterentwickelt.

Welcher Kaffee eignet sich für Cold Brew und Co.?

Für kaltgebrühten Kaffee sind hochwertige, helle Röstungen am besten geeignet. Tipp: wenn die einzelnen Bohnen beim zerkauen gut schmecken und keine sauren oder bitteren Noten aufweisen, ist der Kaffee für Cold Brew und Konsorten geeignet.

Cold Brew Espresso

Rezepte mit Cold Brew und Cold Drip

Die kalten Kaffees schmecken nicht nur pur oder mit Milch, sondern bieten auch eine tolle Grundlage für Mixgetränke – mit und ohne Alkohol.

Drinks mit Alkohol

Cold Brew white Russian

Zutaten:
4 cl Cold Brew oder Cold Drip
2 cl Vodka
3 cl Sahne
2 cl Wasser
Eiswürfel

Cold Brew oder Cold Drip, Vodka und Wasser in ein Glas mit Eiswürfeln geben, dann die Sahne unterrühren.

Whisky-Cold Brew

Zutaten:
15 cl Cold Brew oder Cold Drip
8 cl Whisky nach Wahl
4 cl Zuckersirup
Eiswürfel

Whisky und Sirup in ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas geben. Dann den Kaffee hinzufügen.

Cold Brew mit Licor 43

Zutaten:
4 cl Cold Brew oder Cold Drip
2 cl Licor 43
4 cl Wasser
Eiswürfel

Cold Brew oder Cold Drip mit Wasser und Likör mischen. Auf Eis servieren.

Drinks ohne Alkohol

Cold Brew Tonic

Zutaten:
5 cl Cold Brew oder Cold Drip
10 cl Tonicwater
Eiswürfel

Eiswürfel in ein Glas geben und mit Tonicwater auffüllen. Dann den Kaffee hinzugeben.

Cold Brew Orange

Zutaten:
15 cl Cold Brew oder Cold Drip
5 cl Orangensaft
5 cl Wasser
2 cl Zucker- oder Ahornsirup
Eiswürfel

Ein Glas mit Eiswürfeln befüllen. Wasser, Orangensaft und Sirup hineingeben. Als letztes Cold Brew oder Cold Drip hinzufügen.

Eiskaffee mit Cold Brew

Zutaten:
20 cl Cold Brew oder Cold Drip
eine Kugel Vanilleeis
Optional: Sahne und Schokoraspel

Cold Brew oder Cold Drip in ein Glas geben und die Kugel Vanilleeis hinzufügen. Nach Belieben mit Sahne und Schokoraspel garnieren.

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