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Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie Ihr Lieblingsgetränk erfunden wurde? Die Entstehung des Kaffees ist historisch nicht belegbar und basiert zu großen Teilen auf Mythen. Sicher ist aber: die Wiege der Kaffeepflanzengattung Coffea steht in Äthiopien. Dort wird das Gewächs mit den wundersamen Bohnen bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise durch die Kaffee Geschichte!

Kaffee Geschichte: am Anfang war die Legende

Zur Entstehung des Kaffees existieren zwei Legenden. Die bekanntere von beiden spielt in der äthiopischen Provinz Kaffa (auf den Namen dieser Region geht vermutlich auch das Wort ‚Kaffee‘ zurück). Einige Hirten bemerken, dass ihre Ziegen auf einmal übernatürlich lange wach bleiben. Daraufhin untersuchen Mönche die Weide und finden angeknabberte Reste von unbekannten Früchten, die an Kirschen erinnern. Um deren Wirkung zu überprüfen, gießen die Mönche sie mit Wasser auf. Nach Genuss des Getränks stellen sie einen Rückgang ihres Schlafbedürfnisses fest: der erste ‚Kaffee‘ war geboren.

In einer anderen Version der Geschichte entdeckt ein Hirte namens Kalid die Kaffeekirschen. Er bringt sie zu einem Weisen und verzehrte sie gemeinsam mit ihm. Enttäuscht vom Geschmack der rohen Bohnen werfen die beiden die restlichen Früchte ins Feuer. Der köstliche Geruch, der durch die Röstung entsteht, veranlasst sie dazu, den Bohnen noch eine Chance zu geben. Sie kochen sie mit Wasser auf und siehe da – Kaffee!

Oft werden auch Mischformen der beiden Varianten der Hirtenlegende erzählt. Äthiopischer Kaffee erfreut sich aufgrund seiner Qualität, seiner Sanftheit sowie der aromatischen Vielfalt bis heute großer Beliebtheit.

In der anderen, etwas weniger populären Geschichte ist der Protagonist kein geringerer als der Prophet Mohammed. Der Legende nach reicht ihm während einer Krankheit der Erzengel Gabriel ein Gefäß mit Kaffee. Nachdem Mohammed diesen getrunken hat, wird er nicht nur gesund, sondern fühlt sich sogar besser als jemals zuvor.

Die ersten Wege des Kaffees

Arabien

Im 11. Jahrhundert führt uns die Kaffee Geschichte zum Gelehrten Ibn Sina. Er hat eine Beschreibung eines belebend wirkenden Heilmittels angefertigt, als dessen Hauptbestandteil man Kaffee vermutet. Beim sogenannten Bunchum handelt es sich um eine Art ‚Energieriegel‘, der aus Tierfett und zermahlenen Kaffeebohnen hergestellt und teilweise mit Kaffeesud übergossen wird. Sein Verwendungszweck ist jeodch alles andere als schön, denn man gibt ihn Sklaven, um ihren Hunger zu dämpfen. Im 14. Jahrhundert erreicht der Kaffee, vor allem durch Mekka- und Medina-Pilger, die arabische Welt. Auch die ersten Kaffeehäuser entstehen in Mekka.

Der Name des Kaffees lautet damals Qahwa, ‚das Erregende‘, angelehnt an seine aufputschende Wirkung. Auch dieser Begriff gilt für viele als Ursprung des Wortes ‚Kaffee‘. Immer mehr etabliert sich auch der Ausdruck Wein des Islams für Kaffee, da gläubigen Muslimen der Konsum von Alkohol untersagt ist. Kaffee bietet eine willkommene Alternative zum traditionellen Tee und gewinnt daher schnell an Beliebtheit. Besonders strenge Muslime sehen das aber kritisch. Ihre Meinung: durch seine aufputschende Wirkung sei Kaffee ähnlich verwerflich wie Alkohol. Auch Machthaber sind keine Freunde des neuen Getränks. Das liegt daran, dass dort, wo Kaffee ausgeschenkt wird, Gelehrte zusammen kommen und über Recht und Gesellschaft diskutierten. Kaffeehäuser bezeichnet man zu dieser Zeit auch als Schule der Weisen. Die Herrschenden befürchteten, dass dort Ideen entstehen könnten, die ihre Macht gefährden. Oftmals wurden Kaffeehäuser aus diesem Grund sogar geschlossen.

Natürlich ist Kaffee zur damaligen Zeit noch nicht das, was wir heute darunter verstehen. Es lassen sich aber bereits deutliche Parallelen zu unseren heutigen Zubereitungsweisen erkennen.

Die Bohnen werden in einer großen Eisenpfanne geröstet und anschließend mit einem Mörser zerstampft. In einem großen Tonkrug kocht man sie dann mit Wasser auf. Teilweise wird mit Zucker gesüßt.

Von Kairo nach Istanbul

Im 15. Jahrhundert schafft es der Kaffee über die Grenzen Arabiens hinaus. Zuerst nach Kairo und dann, über das Osmanische Reich im 16. Jahrhundert schließlich nach Istanbul (Türkisch: Kahve). Er entwickelt sich schnell zu einem bedeutenden Handelsgut. Zum wichtigsten Handelsplatz wird die Hafenstadt Mokka im Jemen, in der bereits im großen Stile Kaffee angebaut wird. Um zu verhindern, dass die Käufer selber versuchen, Kaffee anzubauen, werden die Bohnen mit heißem Wasser übergossen, was sie keimunfähig macht. Einzig dem Inder Baba Budan gelang es, keimfähige Kaffeesamen zu schmuggeln. Mit der Kolonialisierung endet die Vorherrschaft der arabischen Exporteure. Kaffeebohnen werden entwendet, um in den Kolonien der Eroberer eigene Kaffeeplantagen anzulegen.

Kaffee Geschichte in Europa

Erstmals gelangen Kaffeebohnen 1570 durch venezianische Kaufleute nach Europa, wo der Kaffee sich schnell als neues Modegetränk durchsetzen. Die erste europäische ‚Kaffee-Macht‘ werden die Niederlande, da sie den Kaffee systematisch in den eigenen Kolonien (u.a. Sri Lanka, Java, Bali) anbauen. Der Ausbau von Handelsstrecken führt den Kaffee Anfang des 17. Jahrhunderts nach Frankreich, Italien und Großbritannien. Die steigende Popularität des Kaffees sorgt für eine erhöhte Nachfrage.

Eine neue Konsumkultur

Die ersten europäischen Kaffeehäuser entstehen 1645 in Venedig, 1650 in Oxford, 1659 in Marseille, 1663 in Amsterdam und 1685 in Wien. Trotz seiner großen Beliebtheit ist Kaffee zu Beginn ein reines Luxusgut und somit wohlhabenden Bürgern vorbehalten. Durch den Kaffee entwickelt sich eine völlig neue Konsumkultur. Getränke hatten bisher entweder der reinen Bedürfnisbefriedigung gedient oder waren alkoholischer Luxus. Als Nicht-alkoholisches Genussprodukt erschafft Kaffee eine neue Dimension.

Aber auch in der westlichen Welt hat der Kaffee einen großen Kritiker: die Kirche. Das von den ‚Ungläubigen‘ stammende Getränk hätte auf die Christen einen schlechten Einfluss – das glaubten zumindest venezianische Geistliche. Als diese Befürchtungen Papst Clemens VIII. erreichen, macht er kurzen Prozess und probiert den ‚Türkentrank‘ einfach selbst. „Dieses Getränk des Satans so köstlich ist, dass es eine Schande wäre, ihn nur den Ungläubigen zu überlassen“, soll er der Legende nach im Anschluss gesagt haben.

Der Kampf um die Weltherrschaft

Nachdem sämtliche Versuche des Kaffeeanbaus in Europa scheiterten, entbrennt im 18. Jahrhundert ein Konkurrenzkampf der europäischen Kolonialmächte um die begehrten Anbaugebiete in Mittel- und Südamerika sowie Afrika und Indien.

Das teure Getränk der Oberschicht wird zum Konsumartikel für die breite Masse — und die Zahl der Anbauländer wächst: Die Engländer bringen den Kaffee nach Jamaika, die Spanier nach Kuba, Puerto Rico, Venezuela und auf die Philippinen. Bereits im Jahr 1750 liegt der weltweite Kaffeeverbrauch bei ca. 600.000 Säcken. 100 Jahre später ist die Zahl auf vier Millionen gestiegen. Heute sind es 150 Millionen Säcke und Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste Handelsgut der Welt.

Kaffee Geschichte in Deutschland

Das erste deutsche Kaffeehaus eröffnet 1673 am Bremer Marktplatz. Vier Jahre später zieht Hamburg nach. Berlin bekommt erst 1721 sein erstes Kaffeehaus. Ärmere Bürger, die sich die gefragten Bohnen nicht leisten können, konsumieren Getränke aus Ersatzprodukten wie Zichorie oder Malz.

Aber nicht alle sind mit dem Siegeszug des Kaffees einverstanden: Friedrich der Große stört sich an der Anzahl privater Kaffeeimporteure, da er wirtschaftliche Einbußen befürchtet. Deshalb erlässt er 1766 ein Verbot für den privaten Import, Handel und 1781 auch die Röstung von Kaffee. Schließlich geht er sogar noch einen Schritt weiter: er stellt eine Gruppe invalider Soldaten als ‚Kaffeeschnüffler‘ ein. Diese sollen versuchen, illegalen Röstereien durch den Geruch auf die Spur zu kommen. Trotz ihrer Drastik zeigten die Maßnahmen Friedrich des Großen keine Wirkung. Stattdessen führten sie zu massivem Kaffeeschmuggel, weshalb das Verbot später zugunsten hoher Zölle und Steuern wieder aufgehoben wurde.

Die Entwicklung zum Volksgetränk

Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Kaffee schließlich vollends zum Volksgetränk. Auch in weniger wohlhabenden Bevölkerungsgruppen wird er nun konsumiert. Hierfür gibt es primär zwei Gründe. Zum einen lässt die Massenproduktion auf den südamerikanischen Plantagen den Preis deutlich sinken. Zum anderen steigt durch die Industrialisierung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung der allgemeine Wohlstand an.

Im Zuge der Industrialisierung entwickelt die Wirtschaft zudem ein großes Interesse an Kaffee und seiner aufputschenden Wirkung. Zur selben Zeit entsteht in der Arbeiterschicht eine ‚Kaffeesuppe‘, die aus Kaffee, Brot, Butter und Milch hergestellt wird und die aufgrund ihrer sättigenden und wachhaltenden Wirkung äußerst beliebt ist.

Die Revolution der Zubereitung

Im Jahr 1908 schreibt eine Frau Kaffee Geschichte. Zu dieser Zeit Die in Dresden geborene Melitta Bentz stört sich immer wieder an dem in der Tasse verbleibendem Kaffeesatz. Kurzerhand versieht sie eine Blechdose mit Hilfe von Hammer und Nagel mit einigen Löchern und legt ein Löschblatt aus einem Schulheft hinein. Der Filterkaffee ist geboren. Am 20. Juni des selben Jahres erhält Melitta Benz für Ihre Erfindung, den ‚mit Filtrierpapier arbeitenden Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem Boden sowie schräg gerichteten Durchflusslöchern‘, ein Patent. Bentz meldet daraufhin mit nur 73 Pfennigen Startkapital ein Gewerbe an und legt damit den Grundstein für eine milliardenschwere Unternehmensgruppe.

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