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Bio-Produkte werden aus verschiedensten Gründen immer beliebter: wachsendes Umweltbewusstsein, der Wunsch nach möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln sowie ein neues Qualitätsbewusstsein machen Lust auf Produkte aus ökologischem Anbau. Auch der Kaffee-Markt verzeichnet ein starkes Umsatzwachstum bei Bio-Produkten. In der Zeit zwischen Oktober 2018 und September 2019 ist der Absatz von Bio-Kaffee um 14 % gestiegen. Der Marktanteil liegt damit bei 4,3 %. Und dass, obwohl der allgemeine Kaffeeabsatz in diesem Zeitraum sogar leicht rückläufig war! (Quelle: Handelsblatt) In diesem Artikel wollen wir deshalb herausfinden, was es mit Bio-Kaffee auf sich hat. Was bedeutet ‚bio‘ bei Kaffee? Welche Kriterien müssen eingehalten werden, damit ein Kaffee das Bio-Siegel tragen darf? Und: ist Bio-Kaffee der bessere Kaffee?

Was ist Bio-Kaffee?

Einfach ausgedrückt: Bio-Kaffee ist nachhaltig und umweltfreundlich angebauter sowie verarbeiteter Kaffee. ‚Bio‘ betrifft also die gesamte Wertschöpfungskette. Das Bio-Siegel der EU ist die wichtigste europäische Zertifizierung für ökologischen Anbau. Das Siegel wird nur vergeben, wenn festgelegte Standards eingehalten werden. Die jeweils zuständigen Öko-Kontrollstelle (staatlich zugelassene Zertifizierungsstellen) kontrolliert jährlich die Einhaltung der Standards.

Das Siegel ist rechteckig, grün und mit einem angedeuteten Blatt versehen, welches aus weißen Sternen besteht. Zusätzlich zum EU-Bio-Siegel dürfen Produkte in Deutschland mit dem deutschen Bio-Siegel (sechseckig, ‚Bio nach EG-Öko-Verordnung‘) gekennzeichnet werden.

Kriterien für das Bio-Siegel der EU

Damit ein Kaffee das EU-Bio-Siegel tragen darf, muss er einige Kriterien erfüllen. Zunächst muss der Anbau extensiv* und umweltverträglich erfolgen. Synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche, mineralische Düngemittel sind daher tabu. Auch der Einsatz von Wachstumsregulatoren, wie zum Beispiel Trijodbenzoesäure, sowie Gentechnik ist strengstens untersagt. Die Ernte erfolgt von Hand; die Röstung langsam und schonend. Im Folgenden gehen wir genauer auf die einzelnen Punkte ein und erläutern, wie sich diese auf den Kaffee auswirken.

*Im Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft erfolgt bei der extensiven Landwirtschaft im Verhältnis zur Fläche ein geringerer Einsatz von Arbeit sowie Kapital.

Bio-Kaffee: Misch- statt Monokulturen

Im Gegensatz zu konventionellem Kaffee, den man in Monokultur kultiviert, erfolgt der Anbau von Bio-Kaffee in Mischkultur. Auf Plantagen für Bio-Kaffee wachsen daher nicht nur Kaffeesträucher, sondern auch andere Pflanzen. Oft handelt es sich dabei um Avocado-, Grapefruit- oder Bananenbäume. Seltener kommen auch Papaya-, Ananas- oder Eukalyptuspflanzen zum Einsatz.

Die unterschiedlichen Pflanzen lockern den Boden auf und sorgen für eine bessere Belüftung. So steigt die Qualität des Bodens, er speichert Wasser besser und die Erosionsgefahr sinkt. Zudem erhalten die empfindlichen Kaffeepflanzen, die es weder zu heiß noch zu kalt und weder zu feucht noch zu trocken mögen, zusätzlichen Schutz – etwa vor zu viel Sonneneinstrahlung.

Auch Schädlinge und Unkraut halten die anderen Pflanzen in Mischkulturen von den sensiblen Gewächsen fern. Niedrigere Gewächse verhindern, dass die Schädlinge zu den Kaffeepflanzen vordringen. Zudem werden Käfer und Co. von einigen Tieren gefressen, die sich in der Mischkultur, die auch die Biodiversität fördert, heimisch fühlen. Durch diese natürliche Art der Schädlingsbekämpfung kommt weniger Dünger zum Einsatz als beim konventionellen Kaffeeanbau. Lediglich natürliche Düngemitteln, wie etwa Kaffeekirschensatz, kommen zum Einsatz.

Die Schattenbäume reduzieren zudem die Verdunstung, sodass weniger Bewässerung notwendig ist. Gerade in trockenen Anbauregionen stellt das einen erheblichen Vorteil dar.

Verzicht auf Pestizide und Gentechnik

Durch den Verzicht auf Pestizide, Wachstumsregulatoren und Gentechnik verbreiten sich keine giftigen oder schädlichen Stoffe im Boden und gelangen somit auch nicht in die Kaffeebohnen.

Picking: sorgsame Ernte per Hand

Die Bio-Kafffee-Ernte erfolgt ausschließlich von Hand. Die Erntemethode wird als Picking bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen aufwändigen Prozess, da die Kaffeebauern dazu nur die reifen, hochwertigen Früchte heraussuchen und pflücken. Noch unreife Früchte dürfen am Strauch bleiben und werden zu einem späteren Zeitpunkt geerntet.

Im konventionellen Anbau wird dagegen aus Gründen der Effizienz vermehrt auf Erntemaschinen zurückgegriffen. Beim sogenannten Stripping werden jedoch nicht nur die reifen Kirschen geerntet: auch Blätter, kleine Zweige und unreife sowie überreife Früchte landen mit in der Ernte. Insbesondere die überreifen Früchte können diese verderben.

Zwar wird nach dem Stripping nochmal maschinell nachsortiert, jedoch können auch dabei nicht alle ungeeigneten Früchte ausfindig gemacht werden. Daher ist die Qualität von maschinell geerntetem Kaffee insgesamt schlechter. Ein weiterer Nachteil: die Kaffeesträucher werden durch die etwas rabiate Erntemethode zum Teil beschädigt. Das bleibt beim Picking ebenfalls aus.

Langsame und schonende Röstung

Bei Bio-Kaffee wird in der Regel Wert auf eine langsame und schonende Röstung gelegt. Sogenannte Schockröstungen (kurze Röstdauer, Temperaturen bis 500 °C), wie sie bei industrieller Ware üblich sind, gibt es hier nicht. Das kommt nicht nur dem Geschmack zugute: durch den länger andauernden Röstvorgang zersetzt sich auch die magenbelastende Chlorogensäure.

Ist Bio-Kaffee besser als herkömmlicher Kaffee?

Man kann diese Frage aus zwei Perspektiven begutachten: aus der geschmacklichen und aus der moralischen. Eine eindeutige Antwort gibt es jedoch in beiden Fällen nicht.

Im Vergleich zur Massenproduktion hat Bio-Kaffee natürlich die Nase vorn. Im Gegensatz zu industriell hergestellten Kaffees erfolgt ein Großteil der Arbeit bei der Ernte per Hand anstatt maschinell. So landen keine minderwertige Bohnen im Kaffee. Große Röster verfügen jedoch zum Teil über spezielle Anlagen, die fehlerhafte Bohnen ebenfalls treffsicher aus dem Verkehr ziehen. Welches System nun das bessere ist, bleibt offen.
Insgesamt ist sind Qualität und Geschmack vor allem auch von Faktoren wie der Kaffeesorte, dem Anbaugebiet sowie den jeweiligen klimatischen Bedingungen abhängig – schließlich ist Kaffee ein Naturprodukt. Und welcher Kaffee einem besser schmeckt, liegt letztendlich auch stark am persönlichen Geschmack. Pauschale geschmackliche Unterschiede zwischen Bio-Kaffee und konventionellem Kaffee kann man daher nicht benennen.

Betrachtet man die Frage aus moralischer Perspektive, dann macht man mit Bio-Kaffee eine Menge richtig. Der gesamte Anbau- und Ernteprozess folgt ökologischen Standards und schont so unsere Umwelt gleichermaßen wie die Menschen, die im Kaffeesektor arbeiten. Aber auch der Verbraucher selbst tut sich mit ökologisch produziertem Kaffee etwas Gutes: da auf Pestizide und Co. verzichtet werden muss, gelangen keine schädlichen Stoffe in den Körper.

Gleichzeitig sollte man jedoch auch bedenken, dass zertifizierter Kaffee zwar im Schnitt für 0,60 €/ kg mehr verkauft werden kann, die Bio-Zertifizierung mit etwa 3.000 € jedoch sehr teuer ist – und von den meist ohnehin schon in Armut lebenden Kaffeebauern getragen werden muss. Im Zweifel kann das Bio-Siegel daher sogar ein Minusgeschäft für die Bauern bedeuten. Aus diesem Grund gibt es viele Kaffees, die zwar nach ökologischen Standards hergestellt wurden, sich aber nicht ‚bio‘ nennen dürfen.

Fazit

Ob Bio-Kaffee der bessere Kaffee ist, lässt sich mit Hinblick auf den Geschmack nur für den jeweiligen Einzelfall beantworten. Moralisch gesehen ist Bio-Kaffee immer eine gute Wahl – was aber nicht heißt, dass konventioneller Kaffee nicht nach den gleichen Standards produziert und somit ebenso gut sein kann. Es bleibt letztlich eine Einzelfallbewertung.

Bio gleich Fairtrade?!

Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Bio und Fairtrade ‚zwei Paar Schuhe‘. Bio bezieht sich auf ökologische Kriterien, Fairtrade auf soziale. Das Fairtrade-Siegel wird vom unabhängigen Verein Transfair vergeben vergeben. Es garantiert einen Mindestverdienst für Kaffeebauern in ärmeren Ländern und verfolgt das Ziel, diesen einen menschenwürdigen Lebensstandard zu ermöglichen.
Mit dem Thema Fairtrade haben wir uns ausführlich hier auseinandergesetzt: Ist Fairtrade Kaffee wirklich fair?

Welcher Bio-Kaffee ist der beste?

Klar: Geschmack ist immer subjektiv. Aber ein paar Empfehlungen können ja nicht schaden. Schließlich entwickelt sich der persönliche Geschmack auch nur dann, wenn man Unterschiedliches ausprobiert.
Für Siebträger und Vollautomaten ist der schokoladige Mondial Bio Organic aus einer kleinen Familienrösterei in Umbrien eine prima Wahl. Wer es weniger kräftig mag, greift zum Allrounder Moak Bio + Fair und wer richtig, dafür aber mit feinen Gebäcknoten bevorzugt, entscheidet sich für ATT Caffè Organic BIO.
Ein empfehlenswerter Filterkaffee in Bioqualität ist zum Beispiel Costadoro Respecto. Bio-Kaffee gibt es auch als Nespresso-Kapsel oder als E.S.E.-Pad.
Hier finden Sie eine Übersicht über alle unsere Bio- und Fairtrade-Kaffees.

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