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Die Umwelt, das Tierwohl, die eigene Gesundheit oder die reine Neugier – Gründe, pflanzlichen Milchalternativen einen Platz im heimischen Kühlschrank anzubieten, gibt es zahlreiche. Der Markt für vegane Produkte boomt. Laut einer Umfrage will von den 18- bis 24-Jährigen nahezu die Hälfte (48 %) vermehrt auf pflanzliche Milchalternativen zurückgreifen; von allen Befragten ist es jeder Vierte (Quelle: Süd TÜV). In diesem Artikel wollen wir uns anschauen, wie Milchalternativen hergestellt werden und die verschiedenen Pflanzendrinks wie Hafer, Soja & Co. für Kaffee genauer unter die Lupe nehmen. Vor allem im Hinblick darauf, welche sich besonders gut zum Aufschäumen sowie für unterschiedliche Kaffeegetränke eignen!

Wie werden vegane Milchalternativen hergestellt?

Milch, ja oder nein?

Milchalternativen dürfen nicht als ‚Milch‘ bezeichnet werden, da der Begriff einem Bezeichnungsschutz der EU unterliegt. Häufig werden die Alternativen daher auf Verpackungen als ‚Drink‘ (z. B. Soja-Drink) deklariert. Kokosmilch bildet hierbei aufgrund der traditionellen Verwendung des Begriffs eine Ausnahme.

Die Herstellung von veganen Milchalternativen ist nicht kompliziert. Der Prozess beginnt damit, dass die Hauptzutat (z. B. Hafer oder Soja) in Wasser eingeweicht und anschließend vermahlt wird. Manchmal wird auch erst zermahlen und dann mit Wasser verdünnt. Anschließend wird die Mischung aus Wasser und Hauptzutat gekocht (manchmal auch fermentiert) und gefiltert. Danach werden gegebenenfalls weitere Zutaten, wie zum Beispiel Öl oder Vitamine, hinzugefügt. Um den Pflanzendrink haltbar zu machen, wird der fertige Pflanzendrink noch stark erhitzt.

Die ‚eine‘ Milchalternative, die jedem schmeckt und die sich für jeden Verwendungszweck eignet, gibt es nicht. Wie bei allen Lebensmitteln kommt es auch hier sehr auf den persönlichen Geschmack an. Heißt: Während Kuhmilch von Marke zu Marke eher geringere geschmackliche Unterschiede zeigt, gibt es zwischen mehreren Sorten Hafer- oder Sojamilch zum Teil große Differenzen. Auch in Konsistenz und Aufschäumverhalten unterscheiden sich die Drinks – außerdem flocken manche von Ihnen im Kaffee unschön aus. Zudem muss die Milchalternative, die fürs Müsli funktioniert, nicht auch im Kaffee ein Highlight sein. Um herauszufinden, welcher Milchersatz einem am besten schmeckt, sollte man daher immer mehrere Marken und Sorten testen. Entscheidend ist natürlich auch, ob man eine klassische Kaffeevariante (z. B. Latte Macchiato) oder eine ausgefallenere Kreation herstellen möchte.

Milchalternativen für klassische Kaffee-Kreationen

Im Folgenden stellen wir die Pflanzendrinks vor, die sich besonders für herkömmliche Kaffeegetränke wie Cappuccino und Co. eignen. Sie sind Kuhmilch in Ihren Eigenschaften zum Teil ähnlich und bieten daher eine leckere Abwechslung zum tierischen Produkt.

die milchalternative sojadrink
Milchalternative Sojadrink

Sojadrink – der Beliebte

Sojadrink ist eine der beliebtesten Milchalternativen für Kaffee. Sein nussiger, teils leicht süßer, aber überwiegend neutraler Geschmack macht ihn für viele unterschiedliche Zwecke zu einer guten Wahl. Für Cappuccino, Latte Macchiato und Co. ist Sojamilch prima geeignet, weil sie sich sehr gut schäumen lässt. Zudem gibt es spezielle Barista-Varianten für den Kaffee, die sogar noch besseren Schaum liefern als die Standardversion.

Aber… wird für Soja-Produkte nicht der Regenwald gerodet? Nein! Dieses oft gegen Sojaprodukte vorgebrachte Argument ist völlig haltlos. Lediglich 2 % des dort angebauten Sojas werden für die Produktion von Lebensmitteln verwendet – aus dem Hauptanteil von 98 % wird Tierfutter. Besonders nachhaltig sind Sojadrinks aus Soja, die in Europa angebaut wurde. Es besteht zwar keine Pflicht, das Herkunftsland zu nennen, manchmal findet sich aber ein entsprechender Hinweis auf der Verpackung.

Haferdrink – der Umweltfreundliche

Haferdrink erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Zu Recht, denn er ist sowohl geschmacklich als auch, was die Nachhaltigkeit angeht, eine hervorragende Alternative zu Kuhmilch. In der Konsistenz ist Hafermilch ihr recht ähnlich. Sein Geschmack wird oft als ‚getreidig‘ sowie, je nach Produkt, als leicht süßlich beschrieben. Generell haben Milchalternativen einen anderen Eigengeschmack als ihr tierisches Pendant. Daran gewöhnt man sich jedoch schnell. Haferdrink ist gut verträglich und lässt sich zudem auch prima aufschäumen. Besonders gut geht das auch hier wieder mit den speziellen Barista-Versionen. Geschmacklich passt der pflanzliche Milchersatz sehr gut zu beliebten Kaffeevarianten wie Cappuccino und Latte Macchiato. Außerdem verfügt der Drink über die beste Umweltbilanz unter den Milchalternativen. Für die meisten Produkte wird Hafer aus Europa verwendet und kein hoher Wasserverbrauch für den Anbau ist nötig.

Lupinendrink – der Geheimtipp

Bisher ist er noch ein eher unbekannter Milchersatz. Schon bald könnte sich der Lupinendrink aber zu einem starken Konkurrenten der herkömmlichen Pflanzendrinks entwickeln. Bei den hierzulande eher unbekannten Lupinen handelt es sich um erbsenähnliche Hülsenfrüchte. Diese werden zur Gewinnung der Milchalternative eingeweicht, gemahlen und anschließend ausgepresst. Lupinendrink überzeugt durch seinen neutralen Geschmack und lässt sich sehr gut aufschäumen, was ihn zu einer hervorragenden Wahl für Flat White, Cappuccino und Co. macht. Ein weiteres Plus: Die ‚Milch‘ aus der Hülsenfrucht enthälteine ordentliche Portion Eiweiß.

Milchalternativen für das gewisse Extra

Und wenn es mal kein Klassiker, sondern eine besondere Kaffeekreation sein soll? Auch für diesen Zweck gibt es eine Reihe von Milchalternativen, die über einen eher charakteristischen Eigengeschmack verfügen und sich perfekt für speziellere Kaffeegetränke eignen.

die milchalternative mandeldrink
Milchalternative Mandeldrink

Mandeldrink – darf’s ein bisschen Marzipan sein?

Mandeldrink erinnert geschmacklich ein wenig an Marzipan. In zusätzlich gesüßten Drinks wird dieser Eindruck verstärkt, in ungesüßten ist er weniger stark ausgeprägt. Aber Achtung: Je nach Sorte und Marke kann der Milchersatz sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Mandeldrinks haben etwa eine sehr wässrige Konsistenz, was in Kaffee natürlich nicht besonders gut funktioniert. Zudem kann man Mandelmilch, verglichen mit Hafer- oder Sojadrink, deutlich schlechter aufschäumen. Sie auszuprobieren lohnt sich dennoch – denn Geschmack ist ja bekanntlich subjektiv. Beim Mandeldrink sollte man allerdings bedenken, dass rund 80 % der weltweit verarbeiteten Mandeln aus Kalifornien stammen. Aufgrund der dort vorherrschenden heißen Temperatur ist der Wasserverbrauch enorm, der für den Anbau der Mandelbäume nötig ist. Wasser und natürlich auch CO2 spart man, indem man auf Drinks zurückgreift, die aus europäischen Mandeln hergestellt werden.

Nussdrinks – die vollmundig & leckere Milchalternative

Eine weitere geschmackliche Abwechslung, gerade auch im Kaffee, sind Nussdrinks. Manchmal muss man sie im Supermarkt ein wenig suchen (und oft auch ein bisschen tiefer in den Geldbeutel greifen), aber es lohnt sich! Während Cashew- und Macadamiadrinks durch ihre Vollmundigkeit überzeugen, macht Haselnussdrink einen gewöhnlichen Cappuccino oder Latte Macchiato zu einem Getränk wie aus dem Café. Und das ganze ohne knallsüßen Sirup – wenn Nussdrinks auch meist ein wenig Zucker beinhalten, um ihren natürlichen Geschmack zu unterstreichen. Für alle, die auf zusätzlichen Zucker verzichten wollen oder müssen, sind Nussdrinks daher in den meisten Fällen nicht die beste Alternative. Auch enthalten Nussdrinks im Vergleich zu einigen Milchalternativen, wie zum Beispiel Hafer- oder Reisdrink, mehr Fett. Zudem lassen sie sich schlecht aufschäumen. Für Latte Art und Getränke mit viel Milchschaum sind sie daher nicht geeignet.

Reisdrink – passend für Allergiker

Reisdrink zählt zu den Getreidedrinks. Er ist äußerst neutral im Geschmack, verfügt allerdings über eine ausgeprägte Süße, die nicht jedermanns Sache ist. Ein weiterer Minuspunkt ist die wässrige Konsistenz des Reisdrinks. Für Menschen mit Intoleranzen bietet die Milchalternative allerdings einen entscheidenden Vorteil: Die Reismilch ist nicht nur laktosefrei, sondern enthält auch weder Gluten noch Nüsse oder Soja.

die milchalternative kokosmilch und -drinks
Milchalternative Kokosmilch

Kokosmilch und -drinks – exotischer Genuss

Bei der Kokosmilch handelt es sich um ein traditionelles, asiatisches Lebensmittel und darf daher als ‚Milch‘ bezeichnet werden. Ihr sehr starker Eigengeschmack ist nicht für jeden, manche Kaffeeliebhaber schätzen die exotische Note jedoch sehr. Besonders für kalte Kaffeevarianten, wie zum Beispiel Eiskaffee, Frappé oder Kaffee-Cocktails, ist Kokosmilch sehr gut geeignet. Minuspunkte gibt es für die schlechte Aufschäumbarkeit sowie den sehr hohen Fettgehalt von Kokosmilch. Fazit: nichts für jeden Tag! Wer auf Kokosgeschmack steht, aber weniger Fett bevorzugt oder ordentlich Schaum möchte, kann auf Drinks auf Soja- oder Mandelbasis zurückgreifen, denen ein Teil Kokosmilch beigemischt ist. Solche Varianten finden sich mittlerweile ebenfalls in vielen Supermärkten und sind auch für die Verwendung in warmen Getränken gut geeignet.

Erbsendrink – die proteinreiche Milchalternative

Milch aus Erbsen? Bei der Vorstellung schüttelt es wahrscheinlich den ein oder anderen. Aber keine Sorge: Der Drink ist weder grün, noch schmeckt er nach Hülsenfrüchten. Er wird aus gelben Erbsen hergestellt und ist weiß-gelblich gefärbt (ähnlich wie Kuhmilch). Auch im Geschmack kommt er der tierischen Variante recht nah. Es gibt ungesüßte und gesüßte Varianten, wobei der Erbsendrink auch ohne Zuckerzugabe eine angenehme, leichte Süße aufweist. Im Gegensatz zu vielen anderen Varianten hat Erbsendrink einen hohen Eiweißanteil – er enthält nämlich in etwa genauso viel Eiweiß wie Kuhmilch. Die Milch aus der Hülsenfrucht ist glutenfrei sowie für Soja- und Nussallergiker geeignet. Die verwendeten Erbsen stammen meist aus der EU oder sogar aus Deutschland. Zudem ist der Flächen- und Wasserverbrauch beim Anbau der Erbsen gering.

Hanfdrink – der Neue

Ein weiterer neuer Trend unter den pflanzlichen Milchalternativen ist der Hanfdrink. Er wird aus den Samen der Hanfpflanze hergestellt und verfügt über einen Eigengeschmack. Diesen empfinden einige Menschen als neutral, andere wiederum als störend. Ähnlich wie Drinks auf Nuss- und Kokosbasis enthält der Hanfdrink mehr Fett als einige Milchalternativen. Auf Schaum muss leider auch bei diesem Milchersatz verzichtet werden – der will mit Hanfdrink nämlich so gar nicht gelingen. Obwohl für Pflanzendrinks und Co. natürlich nur Sorten angebaut werden, die keinen Rausch erzeugen, fällt der Hanfanbau unter das Betäubungsmittelgesetz. Daher unterliegt der Hanfanbau strengen Regeln. In ganz Deutschland gibt es daher aktuell nur drei Betriebe, die die Pflanze verarbeiten. Dabei bietet Hanf aus ökologischer Sicht viele Vorteile: Er ist robust, anspruchslos und fast sämtliche Teile der Pflanze können verwertet werden.

milchalternative hafermilch do it yourself
Die Milchalternative Hafermilch ganz einfach selber machen

Do it yourself: Milchalternative Hafermilch einfach selbst machen!

Hafermilch kann man ganz einfach selbst herstellen. Und zwar schnell und ohne teures Equipment! Und so einfach geht es:

Zutaten (für ca. 1 Liter Hafermilch):

  • 1 Liter Wasser
  • ca. 60-80 g zarte Haferflocken
  • 1 Prise Salz
  • gegebenenfalls: ein Süßungsmittel nach Wahl (z. B. Agavendicksaft, Ahornsirup, entsteinte und kleingeschnittene Datteln)

Zubereitung:

Lust auf Abwechslung?

Die selbstgemachte Hafermilch kann auch mit Gewürzen, wie zum Beispiel Zimt, Vanille oder Tonkabohne, verfeinert werden.

Das Wasser zum Kochen bringen. Die Haferflocken sowie Salz und gegebenenfalls das Süßungsmittel hinzugeben, nochmals aufkochen und alles gut miteinander verrühren. Nun den Topf vom Herd nehmen und die Masse etwas abkühlen lassen. Im Standmixer oder mit einem Pürierstab so lange pürieren, bis sich eine feine Konsistenz ergibt. Die Masse anschließend in einen Nussmilchbeutel (online erhältlich) geben und über einer Schüssel ordentlich auspressen (alternativ: ein mit einem Mulltuch ausgelegtes Sieb verwenden). Während sich nun die fertige Hafermilch in der Schüssel sammelt, bleiben die Feststoffe im Nussmilchbeutel oder Mulltuch zurück. Im Kühlschrank aufbewahrt hält sich die selbstgemachte Hafermilch etwa zwei bis vier Tage.

Fazit Milchalternativen: Garantiert für jeden etwas dabei!

Wer neugierig ist und gerne in die Welt der vielen Milchalternativen eintauchen möchte, findet aufgrund der stark wachsenden Beliebtheit mittlerweile eine wirklich große Auswahl vor. Zugegebenermaßen kann es schon mal etwas zeitaufwändiger sein, zwischen der Vielzahl von Möglichkeiten für sich die passende Milchalternative zu finden, da schließlich jeder was anderes von ihr erwartet. Ist jedoch einmal der richtige pflanzliche Ersatz gefunden, ist dieser nur schwer wieder aus dem eigenen Kühlschrank wegzudenken. Unabhängig von Geschmack und Zubereitung kommen natürlich auch noch viele weitere Vorteile, wie z. B. die Umweltfreundlichkeit und das Tierwohl, dazu. So lohnt sich in jedem Fall das Experiment Milchalternative in Angriff zu nehmen und durch die große Auswahl ist die Erfolgschance auch wirklich vielversprechend. 

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