Kurz & knapp: was ist Solino?

Solino ist der erste Kaffee, der ausschließlich in Äthiopien produziert wird. Exportiert wird erst das fertig geröstete und verpackte Produkt. So ist das Entwicklungsland nicht nur Rohstofflieferant, sondern nimmt an der gesamten Wertschöpfungskette teil. Dadurch entstehen zudem qualifizierte, besser bezahlte Arbeitsplätze. Beides trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse bei und sorgt bei den Menschen vor Ort für eine höhere Lebensqualität.

Die Anfänge von Solino

Visionen entstehen durch Inspiration. Ein bestimmtes Erlebnis, eine kluge Idee, oder der Wunsch, etwas Bestehendes zu verändern. Im Fall von Solino ist es sogar eine Kombination dieser drei Dinge. Felix Ahlers, der Gründer des Unternehmens, ist in geschäftlichen Kreisen seit 2010 als Vorstandsvorsitzender des Familienbetriebs Frosta bekannt. Solino Kaffee hob er jedoch bereits im Jahr 2008 aus der Taufe. Die Idee dazu entstand auf seiner ersten Äthiopienreise. Durch Zufall erfuhr er dort vom ‚Rohkaffee-Problem‘ des Entwicklungslandes und dass eine andere Herangehensweise Wirtschaft und Lebensqualität vor Ort erheblich verbessern könnte.

Felix Ahlers mit Röstmeister Wende neben der Rösttrommel

Äthiopiens Rohkaffee-Problem

Kaffee ist das bedeutendste Exportgut des Landes. Rund 190.000 Tonnen Rohkaffee verlassen Äthiopien jährlich. Für die genannte Menge Rohkaffee erhält das Land etwa 560 Millionen Euro. Da die Röstung den Wert jedoch erheblich steigert, verdient man mit dem Endprodukt, also dem fertig verpackten Röstkaffee, deutlich mehr Geld. Würde der gesamte Rohkaffee als Röstkaffee exportiert, verblieben 340 Millionen an zusätzlicher Wertschöpfung im Land – Geld, das Menschen, Land und Wirtschaft gut gebrauchen könnten, denn Äthiopien ist eins der ärmsten Länder der Welt.

Kaffeesäcke mit rohen Kaffeebohnen im Kaffeelager

Erste Schritte & glückliche Zufälle

Was er auf seiner Reise nach Äthiopien gesehen und erfahren hatte, ließ Felix Ahlers nicht mehr los. Sein Gerechtigkeitssinn weckte den Wunsch, etwas zu verändern. Deshalb fasste er einen Plan: als erster wollte er in Äthiopien selbst Kaffee rösten und verarbeiten, um Arbeitsplätze zu schaffen und das Entwicklungsland an den gesamten Einnahmen teilhaben zu lassen. Das war die Geburtsstunde von Solino, dem ersten Kaffee, der vom Anbau über die Röstung bis hin zum verpackten Produkt in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba hergestellt wird.

Ein glücklicher Zufall: ungefähr zur gleichen Zeit schaffte die EU den Schutzzoll auf gerösteten Kaffee ab. Eine deutliche finanzielle Entlastung, die Solino den Start erleichterte. Solino, was übersetzt ‚kleine Sonne‘ bedeutet, ist Ahlers‘ Herzensprojekt. Anfangs kümmerte er sich um alles selbst – vom Kauf der benötigten Gerätschaften über die Ausbildung der Mitarbeiter bis hin zu Behördengängen und dem Kontakt zu möglichen Händlern in Deutschland. Heute ist er als Berater für das Unternehmen tätig und häufig dort zu Besuch.

Die Produktion von Solino Kaffee

Bei der traditionellen äthiopischen Kaffeezeremonie rösten die Menschen den Rohkaffee selbst – und zwar in einer Pfanne über offenem Feuer. Für den eigenen Markt wird aber auch professionell im Trommelröster geröstet. Die Ansprüche für den Export sind jedoch höher. Zum Beispiel deshalb, weil sich der deutsche Verbraucher ein immer gleich schmeckendes Produkt wünscht.

Bis man die Produktionsabläufe in der Solino-Rösterei an die Ansprüche des deutschen Markts angepasst hatte, dauerte es daher seine Zeit. Auch an andere Dinge mussten sich die Mitarbeiter erst gewöhnen. Zum Beispiel daran, dass man den Barcode sehr genau aufdrucken muss, weil sonst in Deutschland das Scannen nicht funktioniert. Daher kommen bis heute regelmäßig Fachleute aus Deutschland nach Äthiopien, um die Mitarbeiter vor Ort zu schulen. Auch die Infrastruktur des Entwicklungslandes führt zu Problemen. So nehmen etwa Transportwege aufgrund des Zustands der Straßen mehr Zeit in Anspruch und auch die Produktion verzögert sich oftmals durch Stromausfälle, die in Äthiopien viel häufiger auftreten als in Deutschland.

frisch gerösteter Kaffee kommt aus dem Trommelröster Mitarbeiter steht an einer professionellen Kaffeemühle

Aus diesen Gründen ist es für Solino auch schon ein großer Erfolg, die Produktion auf europäisches Niveau gebracht zu haben – Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung des Kaffees.

Verwendet werden lediglich sonnengetrocknete Bohnen aus den Anbaugebieten Jimma und Illubabor. Sie schmecken würziger und enthalten wenig Säure. Der Kaffee wird bei schonenden Temperaturen für mindestens 22 Minuten im Trommelröster geröstet. So kann sich sein Aroma frei entfalten und der fertige Kaffee ist anschließend besonders bekömmlich.

Äthiopien – die Wiege des Kaffees

Äthiopien, genauer gesagt die Region Kaffa (Süd-Westen), gilt als die Heimat der Arabica-Bohne. Dank der fruchtbaren Böden und des kühlen Hochlandklimas herrschen optimale Anbaubedingungen, die Rohkaffee in der höchsten Qualitätsstufe hervorbringen. Äthiopischer Kaffee ist eine der besten und somit auch teuersten Sorten auf dem Markt. Mischungen wird er oft in kleinen Mengen zugegeben, um das Gesamtaroma aufzuwerten. In unserem Wissensbereich finden Sie weitere Infos zum Kaffeeanbauland Äthiopien.

„90% der Ostafrikaner sind Bauern, die zu sehr niedrigen Löhnen arbeiten. Nur wenn neue Berufsgruppen entstehen kann sich das Land wirklich entwickeln. Und nur dann finden die vielen ausgebildeten Äthiopier auch eine interessante Beschäftigung im eigenen Land“, so Felix Ahlers. Durch das Schaffen von qualifizierten Arbeitsplätzen möchte Solino die Situation angehen. Damit unterscheidet sich die Herangehensweise des Unternehmens deutlich von der klassischen Entwicklungshilfe, die überwiegend auf reine Hilfsmaßnahmen wie etwa Geld- und Sachspenden setzt. Solino verfolgt einen volkswirtschaftlichen Ansatz und möchte bei der Entwicklung Äthiopiens vom Agrar- zum Industrieland mithelfen.

Eine qualifizierte, gut bezahlte Tätigkeit hat nicht nur großen Einfluss auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Lebensqualität der Menschen. Und zwar nicht nur die des Arbeitnehmers, denn der unterstützt mit seinem Gehalt auch seine Familie – und die kann in Äthiopien aus bis zu zehn Köpfen bestehen. Bezieht nur einer davon ein höheres Gehalt, muss auch in der Großfamilie niemand mehr Hunger leiden und die Kinder können die Schule besuchen, anstatt selbst durch Arbeit zum Familieneinkommen beitragen zu müssen. Für die inzwischen 120 äthiopischen Mitarbeiter (Stand: 2018) von Solino hat sich daher vieles zum Positiven gewendet. Zum Beispiel für Wende, der vorher als Kaffeebauer arbeitete und nun als Kaffeeröster bei Solino mehr finanzielle Sicherheit hat. Oder für Produktionsmitarbeiterin Yeshi, die neben der Arbeit ihr Adoptivkind und die kranke Mutter versorgt, was ohne einen qualifizieren Job kaum zu schaffen wäre.

Porträts von Mitarbeitern von Solino Kaffee in Äthiopien

Bio und Fair?!

Auf Bio- und Fairtrade-Siegel wird bei Solino bewusst verzichtet. Der Erwerb der entsprechenden Zertifikate ist zeit- und kostenintensiv (bis zu 5.000 Euro) – beide Ressourcen würden an anderer Stelle fehlen. Ein Bio-Siegel ist zudem unnötig, da äthiopische Kaffeebauern in der Regel keine Dünger oder andere chemische Mittel einsetzen. Sie können sich die teuren Produkte schlicht nicht leisten.

Fairtrade-Zertifikate sollen bessere Arbeitsbedingungen für Kaffeebauern gewährleisten.
Die Plantagen, von denen Solino Kaffee bezieht, werden sorgfältig ausgewählt – insbesondere auf die Arbeitsbedingungen wird geachtet. Für die Zukunft ist zudem ein direkter Handel ohne Umweg über die Kaffeebörse geplant, was für weitere Transparenz sorgt und eine noch fairere Preisgestaltung ermöglicht.

Unser Ziel für die nächsten Jahre ist es daher, insgesamt 1.000 Arbeitsplätze in Äthiopien zu schaffen.

Weitere Projekte & die Zukunft von Solino

Solino möchte auch über das Thema Kaffee hinaus zu positiven Veränderungen in Äthiopien beitragen. Deshalb unterstützt das Unternehmen die Initiative OurFathersKitchen, die Straßenkinder vor Ort mit Mittagessen versorgt.

„Wir wollen Veränderungen in Äthiopien aktiv mitgestalten. Daher sind in Zukunft weitere Kooperationen mit anderen Hilfsprojekten geplant. In Zusammenarbeit mit der Organisation SOS-Kinderdörfer vergeben wir zum Beispiel Praktikantenstellen bei Solino Kaffee an Jugendliche“, so Verkaufsleiter Dennis Roß.

Auch bei Solino selbst ist noch viel geplant – so soll etwa die Produktpalette erweitert werden. Dabei ist auch eine Ausweitung auf Erzeugnisse außerhalb des Kaffeesektors denkbar.
Das große Ziel für die nächsten Jahre? „Solino soll einen Teil zur positiven Entwicklung des Landes beitragen“, so Roß. „Unser Ziel für die nächsten Jahre ist es daher, insgesamt 1.000 Arbeitsplätze in Äthiopien zu schaffen.“

Bild 3-9: Lea May

Solino Espresso VerpackungSolino Crema Verpackung