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Aktuell ist fast jede Branche von Preiserhöhungen betroffen und die Gründe dafür sind vielschichtig. Jetzt hat es auch eines der beliebtesten Getränke der Deutschen erwischt: Kaffee. In der zweiten Jahreshälfte 2021 erhöhten die ersten großen Röster die Kaffeepreise, die meisten kleineren haben inzwischen nachgezogen. In diesem Artikel gehen wir den aktuell steigenden Kaffeepreisen genauer auf den Grund, durchleuchten die Gründe der Preiserhöhung und erhalten dabei wertvolle Einblicke aus Sicht des Rösters Drago Mocambo aus Deutschland, der tagtäglich mit den aktuellen Entwicklungen in der Branche konfrontiert wird. 

Kaffeepreise steigen erstmals seit 2016

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 168 Litern im Jahr gehört Kaffee zu den Lieblingsgetränken der Deutschen – Tendenz: steigend (Quelle: Kaffeeverband, Stand 2020). Doch erstmals im Jahr 2021 sahen sich Verbraucher Preiserhöhungen des beliebten Getränks gegenüber, nachdem die Preise jahrelang stabil und unverändert blieben. Genauer gesagt seit 2016 konnte der Endverbraucher sich über gleichbleibende Preise erfreuen, während zeitgleich die Preise für viele andere Produkte konstant gestiegen sind.

Mittlerweile mussten jedoch auch die Kaffeeröster mit Preiserhöhungen reagieren. Für den Endverbraucher sind das natürlich keine guten Nachrichten. Wirft man jedoch einen genauen Blick hinter die Kulissen und untersucht die Gründe der steigenden Kaffeepreise, lassen sich die derzeitigen Entwicklungen besser einordnen.

Steigende Kaffeepreise: Das sind die Gründe

Verschiedene Faktoren, besonders internationale Trends, beeinflussen die steigenden Kaffeepreise. Das bekommen vor allem die Röstereien zu spüren, die täglich mit diesen konfrontiert werden. Eine davon ist die Familienrösterei Mocambo, die sich bereits seit über drei Generationen hinweg das traditionelle Trommelrösten von Kaffeebohnen zur Aufgabe gemacht hat und ihre Kunden seit 1985 mit qualitativem Kaffeegenuss versorgen. Um die Gründe der steigenden Preise des beliebten Getränks besser zu verstehen, gewähren uns Ralf Rüdiger, verantwortlich für den Vertrieb der Rösterei in Süddeutschland, und Maurizio Caccamo, Geschäftsführer von Mocambo, wertvolle Einblicke in den Alltag der Rösterei und schildern die Herausforderungen, mit denen sie täglich konfrontiert werden.

Der Klimawandel

Ein sehr ernstzunehmender Grund für die steigenden Kaffeepreise ist der Klimawandel. Dieser ist längst in den Kaffee-Anbauländern angekommen. Extreme Wettereinflüsse beispielsweise in Brasilien – weltweit der größte Kaffeeerzeuger – sorgten in der jüngsten Vergangenheit für massive Ernteausfälle und damit für schlechte Ernteprognosen. Brasilianische Plantagenbesitzer sahen sich zunehmend mit Dürren und Frost konfrontiert. Nach Angaben von USDA FAS sank die weltweite Kaffeeproduktion u.a. deswegen von ca. 176 Millionen Säcken-Kaffee (jeweils 60 kg) im Erntejahr 2020/2021 auf ca. 167 Millionen Säcke (Erntejahr 2021/2022). Allein die brasilianische Ernte schrumpfte um 42 %! Dieser deutliche Rückgang der gesamten Ernte trieb die Einkaufspreise für Rohkaffee zuletzt in die Höhe.

Viele Anbaugebiete liegen zudem in Zentralamerika, eine Region, die den Klimawandel bereits besonders stark zu spüren bekommt. Hitze, Dürren, Starkregen und Hurrikans sind hier keine Seltenheit mehr. Andere Anbauländer, wie z. B. Kolumbien und Peru, werden diese Ausfälle nicht auffangen können, u.a. weil die Qualität des Rohkaffees nicht immer vergleichbar ist.

klimawandel in den anbauländern von kaffee
Der Klimawandel ist längst in den Anbauländern des Kaffees angekommen. | Foto: Dhan Sugui

Gleichzeitig wächst zunehmend die Nachfrage nach Kaffee, da der Konsum weltweit, besonders in den Schwellenländern, immer weiter steigt und damit auch das Preisniveau des Kaffees. Regionale Einflüsse, wie z. B. politische Unruhen in den jeweiligen Anbauländern, tragen zusätzlich dazu bei, dass eine zuverlässige Planung für Röstereien immer unvorhersehbarer wird.

Laut Ralf Rüdiger sei der Aspekt des Klimawandels in den aktuellen Kalkulationen derzeit noch kaum zu spüren. Jedoch sieht er auch für die Zukunft diese Entwicklung deutlich kritischer, denn die Problematik des Klimawandels wird sich weiter zuspitzen und unvorhersehbare Naturkatastrophen eine verlässliche Planung zunehmend erschweren.

Steigende Kosten in der gesamten Infrastruktur

Die außerordentlichen Herausforderungen an den Beschaffungsmärkten, sowohl bei Rohstoffen als auch bei Primär- und Sekundärverpackungen, haben sich zu gravierenden Kostentreibern entwickelt. Zusätzliche Kostentreiber, wie steigende Energiekosten innerhalb der Produktionsprozesse, aber auch erhöhte Kosten und Engpässe in der Logistik spielen eine nicht unerhebliche Rolle bei den Preisanpassungen für Kaffee. 

Laut des Statistischen Bundesamts stiegen die Preise von Importgütern im November 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 24,7 % – die höchste Rate seit 1974 im Rahmen der ersten Ölpreiskrise. Importgüter wie Erdgas, Stahl, Holz etc. sind betroffen. Dazu zählt auch Rohkaffee, der gegenüber dem Vorjahresmonat November 2020 mit einem Anstieg von 69,9 % deutlich teuer war.

Besonders deutlich spüren die Röstereien die stark gestiegenen Energiekosten, die sich täglich bemerkbar machen. Wie auch bei Mocambo werden die meisten Trommelröstmaschinen mit Gasbrennern auf die nötige Temperatur gebracht – der Gaspreis klettert aktuell (2022) auf ein Rekordhoch nach dem anderen. Aber auch in anderen Bereichen der gesamten Lieferkette machen sich die steigenden Kosten bemerkbar: Verpackungs- und Kartonage-Engpässe gesellen sich ebenfalls zu den täglichen Herausforderungen, denn auch diese Vorprodukte sind momentan ebenfalls knapp und dementsprechend teurer. Die Konsequenz: Unternehmen versuchen rechtzeitig Vorräte dieser Produkte anzulegen, um keine Engpässe zu erleiden. Diese benötigen wiederum zusätzlichen Lagerplatz, der ebenfalls bezahlt werden muss. Ralf Rüdiger beschreibt dies als eine Art Kreislauf, der nur noch schwer zu kalkulieren ist. Die erhöhten Kosten nehmen wiederum Einfluss auf die Produktionskosten sowie die Marge des Rösters.

containertransport von kaffee an den häfen
Der Containertransport trägt zu den steigenden Kaffeepreisen bei. | Foto: CHUTTERSNAP

Ein weiterer enormer Kostenfaktor und aktuell der Hauptgrund für die Erhöhung der Kaffeepreise im letzten Jahr machen laut Maurizio Caccamo die enormen Transportkosten aus. Besonders der Containertransport auf dem Meer wird zum Hauptproblem in der Lieferkette. Dieser ist für nahezu alle Waren – genauso wie für Rohkaffee – um ein Vielfaches teurer geworden. Die Schiffsreisen dauern aufgrund der Knappheit von Containern doppelt so lange wie zuvor – dieses Transportproblem allein sorgt schon für eine Verknappung des Angebots und ist ein treibender Faktor für die Erhöhung der Kaffeepreise. Zunehmende Staus an den Häfen sorgen für Standkosten, die sich auf das Acht- bis Zehnfache wie bisher belaufen. Das beeinflusst wiederum die Kalkulation der Rösterei: Wie viele Container sind überhaupt verfügbar, ab wann und für wie lange? Diese Ungewissheit sorgt für längere Lieferzeiten und eine unzuverlässige Planung. 

Kaffeepreise lange unverändert

Dass die Kaffeepreise seit 2016 stabil und unverändert blieben, ist aufgrund dieser vielen verschiedenen Einflussfaktoren also eher überraschend. Doch aufgrund der aktuellen Entwicklungen sind die Röster nicht länger in der Lage die steigenden Kosten abzufangen und mussten im Jahr 2021 mit Preiserhöhungen reagieren.

Bislang war die Entwicklung der Preise für Röstkaffee wie abgekoppelt von der allgemeinen Teuerungsrate. Anfang der 1950er Jahre kostete ein Kilo Filterkaffee noch 35 DM, und wurde danach sogar immer günstiger. 30 Jahre später in den 1980er Jahren musste für Filterkaffee mit 16 DM/kg nur noch etwa die Hälfte bezahlt werden. In den danach folgenden 40 Jahren bis heute betrug die allgemeine Preissteigerung 140 %, Filterkaffee sollte demnach ca. 20 €/kg kosten. Die günstigsten Angebote gibt es aber für weniger als die Hälfte – inflationsbereinigt ist der Kaffeepreis also stetig gesunken.

preise für rohkaffee seit 2016 unverändert
Seit 2016 blieben die Preise für Rohkaffee unverändert.| Foto: jcomp

Generell stellt sich für die Röstereien die Frage, in welchem Umfang die gestiegenen Kosten an die Endverbraucher weitergegeben werden können. Laut Ralf Rüdiger lassen sich die Kostensteigerungen in vielen Bereichen nicht vollständig an den Endverbraucher übertragen, denn „dann würde man von ganz anderen Preiserhöhungen sprechen“. Die Kaffeepreise unterliegen zudem auch den üblichen Schwankungen, bedingt durch die Börsennotierungen und Währungsschwankungen (der Rohkaffeehandel wird in Dollar abgewickelt).

Zusätzlich steht die Rösterei der Herausforderung gegenüber, ihrem Anspruch an eine gleichbleibende Kaffeequalität gerecht zu werden – nichts anderes erwarten die Kunden. Das ist ein weiteres Dilemma für den Röster, da das Bewusstsein für guten Kaffee und für die entsprechende Qualität in den letzten Jahren – und ganz besonders seit der Pandemie – gestiegen ist. Qualitätseinschränkungen werden in diesem Preissegment nicht akzeptiert, daher muss die Rösterei den unbeliebten Weg der Preiserhöhung wählen, um die Qualität konstant halten zu können.

Sind Engpässe bei bestimmten Kaffeesorten zu erwarten?

Laut Ralf Rüdiger und Maurizio Caccamo müssen sich Kunden jedoch noch keine Sorgen darüber machen, ob ihr Lieblingskaffee mal nicht mehr erhältlich sein sollte. Aktuell bestünden keine Engpässe oder Probleme der Verfügbarkeit des Kaffees – dieser ist nur zu einem anderen Preis verfügbar als zuvor. Zudem kauft die Rösterei Mocambo ihren Rohkaffee-Vorrat direkt für ein gesamtes Jahr ein, sodass der Kaffeegenuss erst einmal garantiert ist.

Ausblick: Haben die steigenden Kaffeepreise Einfluss auf den Kaffeekonsum?

Steigende Preise sorgen in der Regel für eine abnehmende Nachfrage – beim Kaffeekonsum ist dieser Trend bisher nicht zu erkennen, ganz im Gegenteil. Zwar hat sich besonders durch die Pandemie der Kaffeekonsum im Jahr 2020 von der Gastronomie auf den Verbrauch innerhalb der eigenen vier Wände verlagert, dem Konsum im Allgemeinen hat es bisher jedoch nicht geschadet. Er stieg von 209 Liter pro Kopf im Jahr 2019 auf 212 Liter pro Kopf im ersten Jahr der Pandemie. Der Kaffeeverband berichtete von einem 11-%-Plus des Kaffeekonsums Zuhause – beispielsweise während des Homeoffices. Außerhalb des eigenen Zuhauses, z. B. in der Gastronomie, ist ein Einbruch des Konsums von 23 % zu erkennen. Ob die steigenden Kaffeepreise diese Tendenz beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Bei der erhöhten Nachfrage weltweit scheint das jedoch eher fraglich.

Mocambo fällt es nicht leicht eine Prognose für die kommende Zeit zu formulieren. Dass der Kaffeekonsum weiter steigen wird, ist auch für sie unumstritten. Maurizio Caccamo ist sich sicher:

„Das Bewusstsein für gute Kaffee-Qualität sowie die hochwertige Zubereitung daheim wird weiter ansteigen“.

Die Rösterei geht davon aus, dass die aktuellen Entwicklungen sich zunächst nicht beruhigen werden. Wie sich jedoch die steigenden Preise rund um das beliebte Getränk genau entwickeln werden, ist derzeit noch offen. Viele Faktoren, die für die kommende Planung der Rösterei relevant sind, sind schwer einzuschätzen. Die Entwicklungen auf dem internationalen Kaffeemarkt oder auch umweltbezogene Aspekte wie der Klimawandel sind ungewisse Variablen, auf die kein direkter Einfluss genommen werden kann. Besonders die heikle Situation an den Häfen und die Unsicherheiten rund um den Containertransport sind für die Rösterei schwer kalkulierbar.

Selbst viele Experten sind nach Angaben von Mocambo diesbezüglich ratlos. Sicher ist jedoch, dass die Preise in vielen Bereichen der Lieferketten weiter ansteigen werden. Unternehmen müssen sich auch in Zukunft auf neue Herausforderungen einstellen und auch der Endverbraucher muss mit neuen Preiserhöhungen rechnen.

Zusammengefasst: Gründe für steigende Kaffeepreise

  • Der Klimawandel sorgt für Ernteausfälle und schwere Ernteprognosen.
  • Der weltweite Kaffeekonsum und somit auch das Preisniveaus des Kaffees steigen.
  • Die Kosten in der gesamten Infrastruktur gehen in die Höhe – besonders sind fehlende Rohstoffe, Energie- und Transportkosten betroffen.
  • Die Kaffeepreise waren lange von der allgemeinen Preisentwicklung abgekoppelt, das konnten die Röstereien nicht länger durchhalten.
  • Qualitätsanspruch der Röster: Lieber steigende Preise als sinkende Qualität.

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