
Marcel Lorenz ist der Gründer und Geschäftsführer von Coffee Annan, einem deutsch-schweizerischen Kaffee-Start-up mit Sitz in Berlin und Zürich. Ursprünglich ist Lorenz studierter Chemiker. Er erkannte, dass viele Probleme der Branche – insbesondere Kolonialismus und Ungleichheiten – direkt mit der Wertschöpfungskette zusammenhängen. Sein Ziel mit Coffee Annan ist es, die Wertschöpfung zurück in die Herkunftsländer zu bringen, indem der Kaffee direkt vor Ort geröstet und exportiert wird. Die Kaffeezentrale hat Marcel Lorenz zum Interview getroffen.
Kaffeezentrale (KAZ): Herr Lorenz. wie kommt man eigentlich auf die Idee, als Chemiker ins Kaffeegeschäft einzusteigen?
Marcel Lorenz: „Das eine hat mit dem anderen ehrlich gesagt gar nichts zu tun. Ich habe erst ziemlich spät überhaupt angefangen, Kaffee zu trinken – und dann auch nur, um während Nachtschichten wach zu bleiben. Erst als ich Spezialitätenkaffee entdeckt habe, hat mich das Thema wirklich gepackt. Und das ging dann schnell: Zwischen der ersten richtig guten Tasse und der Gründung von Coffee Annan lagen nur wenige Monate.“
KAZ: Sie setzen auf Direct Trade. Was heißt das konkret – und worin liegt der Unterschied zu Fairtrade?
Lorenz: „Wir arbeiten direkt mit Partnern in Kenia zusammen, kaufen zu klar vereinbarten Preisen ein und lassen den Kaffee auch vor Ort rösten und verpacken. Dadurch bleibt ein Großteil der Wertschöpfung im Ursprungsland – also dort, wo sie hingehört.“
KAZ: Mehr Wertschöpfung im Ursprungsland – wie setzen Sie diesen Ansatz konkret um?
Lorenz: „Wir importieren keinen Rohkaffee, sondern fertigen Kaffee. Unsere Partner in Kenia rösten, verpacken und verschiffen selbst. Das schafft lokale Jobs und echte Perspektiven – jenseits vom klassischen Rohstoffexport. Auch in Sachen Qualität sind wir dadurch im Vorteil: Der Rohkaffee kommt direkt von der Farm zur Rösterei und wird sofort verarbeitet – also nicht erst Monate nach der Ernte. Während anderswo die Bohnen noch in Lagerhäusern in Afrika oder Europa liegen, stehen unsere Kaffees oft schon im Regal oder sind bei der Kaffeezentrale verfügbar. Ich bin selbst immer wieder überrascht, wie wenig Zeit zwischen der Ernte und der Tasse Kaffee beim Kunden vergeht.“
KAZ: Erleben Sie, dass Verbraucher heute bewusster einkaufen – oder bleibt Kaffee doch eher ein Alltagsprodukt?

Lorenz: „Beides. Kaffee ist natürlich für viele ein fester Teil der täglichen Routine. Aber wir merken auch: Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, woher ihr Kaffee kommt, wie er verarbeitet wird – und welchen Unterschied er macht. Wenn er dann auch noch besser schmeckt, umso besser.“
KAZ: Was waren auf Ihrem Weg als Gründer die größten Herausforderungen?
Lorenz: „Definitiv: Vertrauen aufzubauen – in beide Richtungen. In Kenia hat es Zeit gebraucht, verlässliche Partnerschaften aufzubauen. Und hier in Europa mussten wir zeigen, dass Kaffee, der direkt im Ursprungsland geröstet wird, nicht nur funktioniert, sondern in vielen Fällen sogar besser ist. Das war – und ist – ein Weg in kleinen Schritten. Aber einer, der Wirkung und Wirtschaftlichkeit verbindet.“
KAZ: Wohin soll es in den nächsten Jahren gehen – sowohl unternehmerisch als auch gesellschaftlich?
Lorenz: „Wir bauen unser B2B-Angebot weiter aus: zum Beispiel mit nachhaltigen Kaffee-Abos für Unternehmen oder White-Label-Lösungen für andere Marken. Gleichzeitig investieren wir in neue Röstpartnerschaften und in Tools, die Verbraucher:innen mehr Transparenz bieten – damit sie sehen können, wie und wo ihr Geld wirkt.“
KAZ: Wie sieht Ihr persönlicher Umgang mit Kaffee aus – und haben Sie einen Favoriten im Sortiment?
Lorenz: „Ich bin da ziemlich klar unterwegs: fast ausschließlich Filterkaffee, am liebsten fully washed. Keine Experimente. Und das sagt ein Chemiker.“
KAZ: Herr Lorenz, wir danken für das Gespräch!
Mehr zu Coffee Annan gibt es bei uns im Shop oder direkt beim Hersteller.






