4.4
(56)

Obst und Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Brot. Bei diesen Lebensmitteln weiß man, dass Frische eine große Rolle spielt. Dass das aber auch bei Kaffee so ist (wenn auch nicht in diesem Maße), ist den wenigsten Konsumenten bewusst. In unserem Artikel wollen wir deshalb erklären, warum frischer Kaffee am besten ist und was wir tun, damit Sie möglichst aromatische Bohnen bekommen.

Die Antwort in Kürze

Frische ist beim Kaffee deshalb so wichtig, weil das Geschmackserlebnis maßgeblich von ihr abhängt.

Als Konsument sollte man daher beim Kauf auf das Röstdatum sowie eine Verpackung, die den Alterungsprozess ausbremst (Tüte mit Aromaventil) achten. Damit der Kaffee zuhause möglichst lange gut schmeckt, sollte man ihn vor Sauerstoffkontakt, Temperaturschwankungen, Licht, Feuchtigkeit und Fremdaromen schützen.

Warum ist Frische wichtig?

Geschmack und Qualität einer fertigen Tasse Kaffee beruhen zu großen Teilen auf dem Zustand der Bohnen. Ein frischer Kaffee muss zwar nicht gut schmecken (z. B., wenn es sich um eine minderwertige Röstung handelt), ein Kaffee, der alt ist, hat aber in jedem Fall Aroma verloren.

Das Problem: Obwohl Kaffeebohnen (insbesondere für Espresso) ein Produkt sind, bei dem die Frische entscheidend ist, werden sie oft nicht entsprechend behandelt. Käufer sind darauf konditioniert, nur das Mindesthaltbarkeitsdatum im Blick zu haben. Dass auch der Zeitpunkt der Röstung eine Rolle spielen könnte, ist den meisten gar nicht bewusst.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) muss laut EU-Recht auf Verpackungen von Lebensmitteln angegeben werden. Es legt fest, bis wann Nahrungsmittel bei der richtigen Lagerung verzehrt werden können, ohne, dass es zu Geschmackseinbußen oder einem gesundheitlichen Risiko kommt. Da das MHD jedoch kein Verfallsdatum ist, kann man Produkte in der Regel auch danach noch essen.

Frischer Kaffee ist ein Genusserlebnis. Kaffee, der über dem MHD ist, kann man zwar noch trinken – geschmacklich sollte man hier aber nicht allzuviel erwarten. Daher sollte man sich – falls dieses bekannt ist – besser am Röstdatum orientieren.

Das passiert nach der Röstung

Nach dem Rösten muss Kaffee zunächst Kohlendioxid ausgasen. Dazu muss er entweder im Anschluss für eine gewisse Zeit ruhen oder aber so verpackt werden, dass das Gas aus der Verpackung entweichen kann. Nach etwa drei Wochen hat der Kaffee sein volles Aroma entfaltet. Dieser Zustand hält für die folgenden 6-10 Wochen – die richtige Lagerung natürlich vorausgesetzt.

Danach beginnen die empfindlichen Aromen, sich langsam zu verflüchtigen und der Kaffee verliert an Geschmack. Feuchtigkeit und Sauerstoff können eindringen (z. B. bei falscher Lagerung) und den Verfallsprozess in Gang setzen. Auch die in den Bohnen enthaltenen Kaffeefette werden mit der Zeit ranzig. Insgesamt verflüchtigt sich das ursprüngliche, gewünschte Aroma, während sich gleichzeitig ein schaler Geschmack sowie unangenehme Noten ausbilden.

Und was ist mit gemahlenem Kaffee?

Im Vergleich zu ganzen Bohnen verliert gemahlener Kaffee deutlich schneller an Aroma. Durch die vergrößerte Oberfläche bietet er Sauerstoff und aromaschädigenden Einflüssen
(z. B. Fremdaromen) mehr Angriffsfläche. Wenn man den gemahlene Kaffee zügig verbraucht, ist das aber kein Problem. Ganze Bohnen, die vor jeder Zubereitung in der benötigten Menge gemahlen werden, sind jedoch die beste Wahl.

Frischer Kaffee durch die richtige Verpackung?

Qualitativ hochwertigere Kaffees werden meist in einer Tüte, die mit einem sogenannten Aromaventil ausgestattet ist, angeboten. Die Bohnen werden nach dem Rösten in den Beutel gefüllt, damit sie nur einen möglichst geringen Luftkontakt haben.

Durch das Aromaventil kann dann das CO₂ entweichen, während zugleich jedoch kein Sauerstoff in die Tüte eindringen und das Aroma verfälschen kann. So sind die Bohnen ideal geschützt und das Aroma kann sich ungehindert entfalten.

Zusätzlich wird manchmal auch noch ein Schutzgas mit in die Tüte gegeben, das den Sauerstoff verdrängt. Die meisten Röster verzichten jedoch darauf, da das Gas selbst, das benötigte Equipment sowie der Zeitaufwand höhere Kosten verursachen.

Frischer Kaffee: was tun wir dafür?

Anders als Discounter und Co. legen spezialisierte Händler (stationär oder online) sowie kleine, handwerkliche Röster in der Regel großen Wert darauf, ihre Kunden mit qualitativ hochwertigen Kaffeebohnen zu versorgen.

Unsere Kaffees kommen überwiegend aus Italien. Wir bestellen in kurzen Intervallen (ca. alle 2-4 Wochen) bei unseren Röstern, damit wir unseren Kunden eine gute Qualität bieten können.
Besonders frisch sind natürlich die Kaffees, die wir von deutschen Röstern beziehen. Dazu zählen zum Beispiel die Kaffees von Vicci, Mocambo und XO. Zudem sind wir transparent: bei jedem unserer Kaffees finden Sie sowohl das Mindesthaltbarkeitsdatum als auch das Röstdatum.

Bei manchen Kaffees ist das mit der Frische aber gar nicht so leicht – etwa beim kubanischen Kaffee Cubita. Er kommt nur alle paar Monate per Seecontainer nach Europa. Daher liegt sein Röstdatum oftmals etwas weiter zurück. Aufgrund seiner langen Reise ist er jedoch auf dem gesamten Kontinent nicht frischer zu erhalten.

Wie sollte Kaffee gelagert werden, damit er frisch bleibt?

Bei der Lagerung in den eigenen vier Wänden hat man es in der Hand – hier kann man nämlich einiges dafür tun, damit der Kaffee möglichst lange schmeckt. Ein großer Fehler, den viele machen, ist das Umfüllen in eine Dose. So kommen die Bohnen aber großflächig mit Sauerstoff in Kontakt. Deshalb ist es besser, sie einfach in der Originalverpackung zu belassen. Falls diese nicht wiederverschließbar ist, zum Verschließen am besten einen luftdicht abriegelnden Clip nutzen. Die Packung sollte damit möglichst dicht an den Bohnen verschlossen werden, damit Sauerstoff keine Chance hat.

Vor welchen Einflüssen man den Kaffee schützen sollte und was es sonst noch Wichtiges zu beachten gibt, erklären wir in diesem Artikel: Fünf Tipps, wie Sie Kaffee richtig lagern

Frischer Kaffee: wie sollte er schmecken – und wie nicht?

Ob Kaffee frisch ist, erkennt man oft schon am Duft. Wenn man die Packung öffnet, sollten die Bohnen den typischen, angenehmen Kaffeeduft verströmen. Bei Tüten mit Aromaventil kann man den Dufttest sogar machen, ohne sie zu öffnen: einfach auf die Tüte drücken und am Ventil schnuppern.

Geschmacklich sollte der aus ihnen zubereitete Kaffee aromatisch sein. Schmeckt er hingegen schal und flach, hat die Qualität bereits gelitten. Mischen sich unangenehm säuerliche, scharfe oder metallische Nuancen in das Geschmacksprofil oder schmeckt der Kaffee holzig oder nach Karton, haben sich zudem Fremdaromen gebildet (vorausgesetzt natürlich, es handelt sich nicht einfach um schlechten Kaffee).

Kaffee kann also nicht frisch genug sein – oder?

Wenn es bei Kaffee auf die Frische ankommt, müsste er doch eigentlich direkt nach der Röstung am besten schmecken. Oder? Nein! Die Bohnen entwickeln ihr gesamtes Aroma nämlich nicht direkt während des Röstvorgangs, sondern benötigen dazu anschließend noch etwas Zeit. Erst etwa drei Wochen nach der Röstung hat ein Kaffee sein volles Geschmackspotenzial erreicht. Wirklich röstfrischer Kaffee schmeckt deshalb weniger aromatisch.

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Klicken Sie auf die Sterne zum bewerten

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here